Kurze reise durch die vergangenheit | Rivijera Paklenica Kurze reise durch die vergangenheit | Rivijera Paklenica Kurze reise durch die vergangenheit | Rivijera Paklenica

Kultur und Geschichte › Eine kurze Reise durch die Vergangenheit

Der küstenzugewandte Hang des Velebits gleicht auf den ersten Blick einer Steinwüste, die sich nicht für das Leben von Menschen zu eignen scheint. Jedoch täuscht der Anblick, denn dieses Gebiet ist bereits seit mindestens zehntausend Jahren bewohnt. Längst verstorbene Ureinwohner haben eine Vielzahl von Spuren hinterlassen, die von ihrer Anwesenheit, ihrer Geschichte und ihrer Urgeschichte zeugen. Unsere Reise durch die Vergangenheit ist in fünf kurze Kapitel geteilt. Die ersten drei Kapitel beziehen sich auf die Urgeschichte, die sich über die Zeit der Jäger und Sammler vom Ende der Eiszeit über die neolithischen Hirten bis hin zu den liburnischen Machthabern, die den Anfang der Neueren Geschichte kennzeichnen, erstreckt. Die letzten beiden Kapitel decken die geschichtlichen Perioden der römischen Herrschaft und der unruhigen Jahrhunderte des Mittelalters ab.

Mesolithikum

Erste menschliche Spuren auf dem Velebit

Man geht davon aus, dass dieses Gebiet, anderen Orten am Mittelmeer gleich, während der letzten Eiszeit von kleineren Gruppen paläolithischer Jäger und Sammler bewohnt wurde. Der Meeresspiegel lag damals ca. 120 m tiefer als heute. Die gesamte Nordadria war Festland, weites grasbewachsenes Flachland, auf dem Urrinder und Wildpferde grasten. Der Velebit- Kanal war ein breites Tal, durch das ein Fluss floss, der Velebit selbst war kalt und abweisend, seine höchsten Spitzen mit Gletschern bedeckt.

Paläolithische Jäger-Sammler hielten sich in der Nähe ihrer Nahrungsquellen auf, die sich vor allem in den Tälern befanden, die heute unter dem Meer liegen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir bis jetzt keine Spuren von ihnen entdeckt haben. Erst als gegen Ende der Eiszeit der Meeresspiegel anzusteigen begann, mussten die Menschen anfangen, in höheren bergigen Gebieten nach neuen Möglichkeiten des Überlebens zu suchen. Sie beschäftigten sich auch weiterhin mit dem Jagen und Sammeln; doch statt der Rinder und Pferde, die gemeinsam mit dem Adria-Flachland verschwunden waren, jagten sie nun Gemsen und diverses andere Wild, das die Velebiter Felsen bewohnte. Aus dieser Zeit stammen die frühesten Spuren, die auf die Anwesenheit von Menschen auf dem Velebit verweisen - unansehnliche mesolithische Feuersteinwerkzeuge aus den tiefsten Schichten der Vaganacka-Höhle unter dem Veliko Rujno.

Neolithikum und Kupferzeit

Die Ankunft der Viehzüchter

Vor ungefähr achttausend Jahren erreichten die ersten Viehzüchter und Ackerbauern aus dem Südosten die Adria. Sie kamen auf dem Meerweg, in kleinen Gruppen, und brachten Weizen, domestizierte Schafe und Ziegen mit sich, ebenso das Grundwissen über ihre Aufzucht. Die Jagd und das Sammeln verloren in kurzer Zeit an Bedeutung, sie wurden von der Viehzucht und dem Ackerbau abgelöst. Auf dem Velebit begann sich das Hirtenleben, das bis vor nicht allzu langer Zeit eine der wichtigsten wirtschaftlichen Tätigkeiten bleiben wird, zu entwickeln. Die karstige Landschaft bietet zwar den Ackerbauern keine großen Möglichkeiten, für die Aufzucht von Kleinvieh ist sie jedoch relativ vorteilhaft. Die Weiden liegen im Gebirge verstreut auf unterschiedlichen Höhen, so dass sie saisonal genutzt werden können. Wenn im späten Frühling das Gras in den Vorgebirgen verdorrt, werden die Herden in die noch immer grünen Täler und Hochebenen, die sich zwischen den karstigen Berggipfeln verstecken, getrieben. Während sie den Sommer im Hochgebirge verbringen, wo sich die größten und saftigsten Weiden befinden, beginnen sie im Herbst, wenn es kühler wird und die ersten Regenschauer fallen, ihren Abstieg in Richtung Küste. Derartige saisonale Wanderungen von Herden und Hirten dauern seit tausenden von Jahren an, genauer seit Anbeginn des Neolithikums. Zeit und Erosion haben die Spuren der damaligen bescheidenen Unterkünfte und Pferche fast vollständig ausgelöscht, jedoch finden sich in der Felswand zahlreiche Höhlen, die Mensch und Vieh ebenfalls als Unterschlupf dienten. Alleine im Nationalpark und in seiner unmittelbaren Umgebung gibt es ca. zwanzig dieser Höhlen. Oft wurden sie von Trockensteinmauern umgeben, manche von ihnen konnten selbst größeren Schaf- und Ziegenherden Unterschlupf bieten.

Die archäologischen Schichten, die sich in diesen Höhlen angehäuft haben, bergen beredete Materialüberbleibsel - zahlreiche Knochen von Haustieren, abgenutztes Werkzeug und Utensilien der vorgeschichtlichen Hirten.

Bronzezeit und Eisenzeit

Gesellschaftliche Differenzierung und monumentale Bauwerke

Brončano doba donosi život u većim zajednicama, raslojavanje društva i podizanje prvih monumentalnih građevina. Mnogi strateški važni položaji na krševitim glavicama i istaknutim grebe ni ma utvrđuju se i opasuju bedemima. Takve pretpovijesne utvrde na uzvisinama nazivaju se gradinama.

Eine “gradina” spielte eine wichtige Rolle bei der Verteidigung. Bei Gefahr konnte sie den Bewohnern der umliegenden Dörfer als Schutz dienen; manch eine der „gradinas“ war vielleicht sogar zum dauerhaften Residieren der lokalen Machthaber gedacht. Ihre trockensteinernen Schutzmauern, einst aus großen Steinen erbaut, sind heute entweder zerstört oder verzogen. Sie erinnern an ringartige Aufschüttungen, die mancherorts noch immer einige Meter hoch sind. Die „gradine“ über den Orten Modric, Seline, Starigrad und Milovac dienten dem Schutz der ertragreichsten Felder in diesem Teil des Küstenlandes. Gleichzeitig bewachten sie wichtige Hirten- und Handelswege, die durch Paklenica oder über Rujno in den Velebit und von dort nach Lika führten. Dennoch spielte sich der lebendigste Verkehr über das Meer ab, vor allem in der Eisenzeit, als das Seefahrervolk der Liburner die nördliche Adria beherrschte. Die kleine „gradina“ auf Veliki Vitrenik, dem herausragenden Gipfel, der sich über dem Eingang von Velika Paklenica erhebt, wurde aller Wahrscheinlichkeit nach erbaut, um die Meerwege kontrollieren zu können. Von der „gradina“ erstreckt sich der Blick auf einen großen Teil des Velebit-Kanals, so dass von hier aus beizeiten das Herannahen feindlicher oder die Rückkehr der eigenen Schiffe gemeldet werden konnten. In der Nähe zahlreicher “gradinas” befinden sich die Gräber der bronzezeitlichen und eisenzeitlichen Machthaber, die einst über diese Gebiete herrschten. Sie wurden unter großen, runden, steinernen Hügeln in Grabtruhen aus Steinplatten begraben. Am nördlichen Rand von Starigrad, im Vorort namens MatkovaËa, befinden sich einige dieser Grabhügel.

Antike

Aufstieg und Fall der römischen Herrschaft

Während der letzten beiden Jahrhunderte v.Ch. wurde die Adriaküste allmählich von den römischen Legionen erobert. Mit der Gründung der römischen Provinz Dalmatien zu Beginn des 1. Jh. n. Ch. wurde die römische Herrschaft dauerhaft etabliert. In den Gebieten, die bis dato von den Liburnern beherrscht worden waren, begann das Zeitalter des Schrifttums und damit auch der Geschichtsschreibung. Es folgten Jahrhunderte des „Römischen Friedens“, die sowohl die Geldwirtschaft als auch die Entstehung der ersten Städte mit sich brachten. Zu jener Zeit entstand auch Starigrad, röm. Argyruntum. Die Stadt stand auf einer kleinen, nur ca. 3,4 h großen Insel. Die Insel wuchs - aufgrund von Versumpfung und Zuschüttung der flachen Bucht - in neuerer Zeit vollkommen mit der Küste zusammen. Argyruntum entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem ziemlich wichtigen Markt. Im vierten Jahrzehnt n. Ch. ließ Kaiser Tiberius Schutzmauern und Türme um die Stadt errichten. Neben der Straße, die stadtauswärts nach Südwesten führte, befand sich der Stadtfriedhof. Aus ungefähr vierhundert erforschten Gräbern wurden reichhaltige und mannigfaltige archäologische Funde geborgen: Silber-, Bronze- und Bernsteinschmuck, Keramik-, Glas- und Metallgeschirr, Waffen und Werkzeuge. Diese Funde zeugen von dem relativen Wohlstand der Stadtbewohner und den lebhaften Handelsbeziehungen über das gesamte Mittelmeer. Den Grabfunden nach zu urteilen, starb das Leben in Argyruntum Anfang des 4. Jh. n. Ch. aus. Die Zeit des Friedens wurde durch die Überfälle der „Barbarenvölker“ unterbrochen, die letzten Endes zum Zerfall des einst mächtigen Römischen Reiches führten. Den letzten Versuch, die Adriaküste noch einmal in das Kaiserreich einzugliedern, unternahm der oströmische Kaiser Justinian. Mitte des 6. Jh. n. Ch. ließ er mehrere Burganlagen zum Schutz von Flotten und Küstenbewohner errichten. Die Mauer- und die Turmruinen über Modric östlich von Seline sowie bei Sveta Trojica unweit Tribnje waren Teile dieser Verteidigungsanlage, die jedoch nur für kurze Zeit in der Lage war, den endgültigen Zerfall der antiken Welt an der Adria aufzuhalten.

Mittelalter und Neuzeit

Kroaten, Türken, Venezianer und Bunjevci

Das frühe Mittelalter war gekennzeichnet von Umwälzungen, die unter dem Namen “Große Völkerwanderung” bekannt geworden sind. Zu jener Zeit kamen die Kroaten nach Dalmatien. Das älteste erhaltene Relikt ihrer Anwesenheit in diesem Gebiet ist die frühmittelalterliche St. Georg-Kirche in Rovanjska, die im 9. oder 10. Jh. n.Ch. erbaut worden ist. Dass das Leben auf dem Gebiet von Starigrad weiterging, bezeugt die mittelalterliche St. Petruskirche. Seit dem 13. Jh. wurde der Friedhof, der sich um die Kirche herum befindet, benutzt; die auffälligsten Grabsteine - massive Steinplatten, von denen manche mit einfachen, flachen Reliefbildern verziert sind - stammen vom Ende des Mittelalters (14. - 16. Jh.) Zur selben Zeit sind wahrscheinlich auch zwei Burgen errichtet worden: „Vecka kula“ auf einer Landzunge östlich von Starigrad und „Paklaric“ auf längst verlassenen vorgeschichtlichen Ruinen über dem Eingang zu Velika Paklenica. Es folgten zwei Jahrhunderte Krieg gegen die Türken, in deren Verlauf das Velebiter Vorgebirge schwer zu Schaden kam. Im Jahr 1527 nahmen die Türken Lika und das Hinterland Dalmatiens ein, daneben besetzten sie Obrovac, am Fluss Zrmanja gelegen. Dreißig Jahre später nahmen sie auch einen großen Teil der Ravni Kotari ein. Indem sie das Novigrader Meer erreichten, waren sie in der Lage, die Landverbindung zwischen den nördlichen und südlichen Teilen Kroatiens zu durchtrennen. Die küstennahen Velebiter Gebirgshänge verwandelten sich in Niemandsland und wurden zu Schauplätzen häufiger kriegerischer Auseinandersetzungen, Überfälle und Plünderungen. Die Bewohner konnten nur flüchten oder fortziehen, das Velebiter Vorgebirge verödete vollkommen. Die Verheerung dauerte 150 Jahre an. Mit dem Nachlassen der türkischen Macht begannen die venezianischen Obrigkeiten bereits im Jahr 1671 das verlassene und verödete Starigrad neu zu besiedeln. Bis zum Ende des 17. Jh. war fast das gesamte Vorgebirge besiedelt. Die neuen Bewohner waren die Bunjevci, Kroaten aus den Nachbarregionen, die damals noch immer unter der Vorherrschaft der Türken standen. Im Jahr 1700 zogen sich die Türken schließlich vollkommen zurück, und das Vorgebirge des südlichen Velebits fiel dem Zusammenschluss des venezianischen Dalmatiens zu.